VPN-Throttling: Wie Ihr Provider die Geschwindigkeit unbemerkt drosselt
Sperren sind nicht das einzige Werkzeug eines Providers. Es gibt eine sanftere und weniger auffällige Methode gegen VPN — das Throttling: Der Traffic wird nicht vollständig blockiert, sondern bekommt einfach eine niedrigere Priorität und eine gedrosselte Geschwindigkeit im Vergleich zu „normalem" Traffic. Die Verbindung funktioniert dabei formal weiter — nur eben langsam.
Wie sich Throttling von einer Sperre unterscheidet
Bei einer Sperre baut sich die Verbindung gar nicht erst auf oder bricht ab. Beim Throttling wird der VPN-Tunnel ganz normal aufgebaut, aber die Bandbreite für genau diese Art von Traffic wird künstlich begrenzt — zum Beispiel auf wenige Megabit pro Sekunde statt der im Tarif verfügbaren Hunderte. Der Unterschied lässt sich leicht erkennen: Laufen gewöhnliche Websites ohne VPN einwandfrei, während die Geschwindigkeit bei aktiviertem VPN drastisch einbricht, handelt es sich meist um gezieltes Throttling des VPN-Traffics und nicht um ein allgemeines Netzwerkproblem.
Woher weiß der Provider überhaupt, was er drosseln soll
Der Mechanismus ähnelt der VPN-Erkennung für Sperren (wir haben das im Artikel über DPI und Reality erklärt) — anhand der charakteristischen „Handschrift" des Protokolls, des Ports sowie Länge und Rhythmus der Pakete. Der Unterschied liegt in der Reaktion: Statt die Verbindung zu kappen, wendet das System Shaping an — eine Bandbreitenbegrenzung gezielt für Traffic mit diesen Merkmalen.
Warum die Tarnung als gewöhnliches HTTPS dagegen hilft
Ist die Verbindung von außen nicht von einem Zugriff auf eine gewöhnliche, legitime Website zu unterscheiden — so wie bei VLESS mit dem Reality-Aufsatz —, hat das Shaping-System schlicht kein statistisch verlässliches Merkmal, um genau diesen Traffic herauszufiltern und getrennt vom übrigen HTTPS-Traffic zu drosseln. Genau deshalb schützt eine gute Tarnung nicht nur vor der direkten Sperre, sondern auch vor dem deutlich heimtückischeren „stillen" Throttling.
Was tun, wenn Sie Throttling vermuten
- Vergleichen Sie die Geschwindigkeit mit und ohne VPN im selben Speedtest zur selben Zeit.
- Probieren Sie einen anderen Standort — liegt es am Shaping eines bestimmten Knotens oder einer bestimmten Route, fällt ein anderer Standort möglicherweise nicht unter dieselbe Beschränkung.
- Prüfen Sie Status und Ping des Standorts auf unserer Statusseite — dauerhaft niedrige Geschwindigkeit bei normalem Ping ist ein typisches Zeichen für Throttling und nicht für Überlastung.